Die Genetik des afrikanischen Weißbauchigels ist noch nicht vollständig entschlüsselt worden. Es gab einmal eine grobe Tabelle mit vermuteten Genen, welche jedoch nie vollständig aufgeschlüsselt wurde. 2015 beschlossen wir also, die Genetik tiefergehend zu untersuchen und einen vollständig aufgeschlüsselten Farbstandard zu entwickeln.

Warum ist das Wissen um die Genetik so wichtig?

Unsere Heimtiere stammen alle von einer kleinen Gruppe Wildfänge ab, welche importiert worden, um sie als Haustiere zu halten. Alle unsere Igel wurden aus eben diesen Wildfängen gezogen, was einen sehr instabilen und kleinen Genpool zur Folge hat. Wenn man mit solch einem instabilen Genpool züchtet, verursacht dieses Heimtiere, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, welche der afrikansiche Weißbauchigel sehr deutlich zeigt. Das Wobbly Hedgehog Syndrome (WHS), Diabetes, Fettleibigkeit, Nierenerkrankungen und so weiter, sind gesundheitliche Probleme, die bei diesen Tieren weit verbreitet sind.

Irgendwann begannen sich durch das Züchten mit diesem instabilen Genpool die Farbformen zu entwickeln und stabilisierten sich im Laufe der Jahre. Die gesundheitlichen Probleme jedoch blieben bestehen und nach all der Zeit kann niemand mehr sagen, wo genau sie begonnen haben. Entstanden sie nach und nach mit bestimmten Farbmutationen oder handelt es sich hierbei um eine generelle Schwäche? Niemand weiß das so genau. Und hier wird die Genetik zu einer Lösung. Wenn die Gene, auf denen die Farbmutation lagert, entschlüsselt werden, kann man mit anderen Untersuchungen begonnen werden. Untersuchungen die eine Zusammenfassung bestimmter Igel mit gesundheitlichen Problemen und deren Farbformen beinhaltet. Mit einer solchen Liste wäre es ein Leichtes das bestimmte Puzzleteil heraus zu fischen und herauszufinden, ob die Probleme mit bestimmten Farbformen zusammen hängen oder lediglich mit den Igeln selbst. Vielleicht sogar mit einer bestimmten Igelart: dem afrikansichen Weißbauchigel.

Filtert man eine Farbe heraus, welche solche gesundheitlichen Probleme verursacht, sichert man die Gesundheit der folgenden Generationen und somit die gesamte Tierart. Nun, wenn es so einfach wäre….

Habt ihr dafür ein Beispiel?

Ja, das haben wir! Obgleich es vielerlei Beispiele gäbe, nehmen wir einmal das Megacolon (Erweiterung des Dickdarmes) bei Ratten. Das Megacolon ist eine Erbkrankheit. Es ist ein Defekt der Nervenweiterleitung zwischen dem Darmtrakt und dem Gehirn, das den Verlust der Kontrolle über die Eingeweide zur Folge hat. Die Symptome können dabei unterschiedlich sein, das Resultat bleibt jedoch immer dasselbe: die Ratte wird sterben.

Obgleich das Megacolon eine Erbkrankheit ist, sind Ratten mit sehr weißem Fell anfälliger dafür. Es scheint, dass eine Pigmentstörung – welche besonders bei Ratten in der Farbform Husky (siehe Bilder unten)  vorkommt, da diese im Alter deutlich aufhellen – Einfluss auf die Herausbildung des Darmtraktes hat. Die Ratte zeigt nach der Geburt keine normale Darmfunktion und ist nicht in der Lage Kot abzusetzen, was schwerwiegende Konsequenzen nach sich zieht.

Züchter wissen also um den Fakt, dass die Farbe Husky anfällig ist für diese Darmerkrankung und beobachten ihre Nachkömmlinge durchgehend. Wird ein Wurf mit dieser Erkrankung geboren so stellen Züchter meist die gesamte Blutlinie ein und verpaaren diese nicht noch einmal. Auf diese Weise halten sie ihre Linien gesund.

Ratten mit Farbe ‘Husky’ – Fotos von Danielle Olree.


In diesem Abschnitt

Haben wir ein paar Unterseiten erstellt, um Genetik auf spaßige und einfache Weise zu erklären.  Auf diese Art erfahrt ihr einiges über Genetik und wie man diese bei der Zucht einsetzt.


Was ist Genetik?

dna-163466_640Genetik ist die Lehre vom Erklären und Entschlüsseln der Vererbung. Ein Organismus kann seine Eigenschaften auf seine Nachkömmlinge übertragen. Diese erblichen Eigenschaften können, abhängig von der Form der Vererbung, mitunter ein oder zwei Generationen überspringen, werden aber von den Eltern an ihre Nachkömmlinge weiter gegeben.

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Genotyp and phänotyp

IMGP1907Der Genotyp ist die Gesamtheit aller vererbbaren Charakteristika. Die Gesamtheit, die das Aussehen, das Verhalten und andere ersichtliche Kategorien beinhalten, nennt man den Phänotyp.  Weil aber nicht alle Charakteristika vererbbar sind, sind der Genotyp und der Phänotyp zwei verschiedene Aspekte.  Während der Genotyp alle vererbbaren Dinge beinhaltet, ist der Phänotyp das Ergebnis aus dem Genotyp plus dem Umfeld des Organismus.

Detaillierte Beschreibung


Vererbungsformen

deoxyribonucleic-acid-1500076_640Es gibt für die Charakteristika verschiedene Wege um vererbt zu werden. Dominant, rezessiv, co-dominant, unvollständig dominant sowie geschlechtsgebunden. Wandler spielen nach diesen auch noch eine Rolle, wenn man einen farbenprächtigen Igel züchten möchte. Aber wie funktionieren all diese Vererbungsformen? Das erklären wir euch alles auf der zugeordneten Seite!

Lernt hier alle Vererbungsformen kennen


Die Gene des Afrikanischen Weißbauchigels

IMG_8721Um eine komplette Auflistung aller Gene des afrikanischen Weißbauchigels, die für die Farbgebung und Musterung dieser Rasse verantwortlich sind, zu geben,  haben wir eine eigenständige Seite erstellt. Diese enthält Erläuterungen zum Eingreifen der Gene in die Pigmentierung, wie jedes Gen vererbt wird und andere Dinge die man zu jedem Einzelnen wissen muss.

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 Wie man eine genetische Berechnung anstellt 

GencrossWenn einem die Gene seiner Igel bekannt sind und man herausfinden möchte welche Farbgebung ihre Nachfahren haben werden, ist es von Vorteil zu wissen, wie man eine genetische Berechnung anstellt. Zu beachten sind dabei die Arten der Vererbung, denn man wird nicht in der Lage sein die Ergebnisse zu entschlüsseln, wenn man ein Vielfaches an Genen in die Berechnung mit einbezieht.

Schau rein!


Farbstandard

IMGP1896Hier findet ihr den neuen Farbstandard, basierend auf unseren Forschungen zur Genetik. Einige Farbbezeichnungen können sich dadurch geändert haben. Dies liegt daran, dass einige Bezeichnungen durchaus Verwirrung gestiftet haben (wie beispielsweise “dark grey” und “grey” oder die charcoal Bezeichnungen für Snowflakevarianten). In unserem Farbstandard beschreiben wir wie die einzelnen Farbvarianten aussehen sollten, welchen genetischen Code sie haben und ob es sich dabei tatsächlich um eine Farbvariante oder eine Musterung handelt.

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