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Riesenotterspitzmaus

Taxonomie

Königreich:Animalia
Stamm:Chordata
Klasse:Mammalia
Ordnung:Afrosoricida
Unterordnung:Tenrecomorpha
Familie:Potamogalidae
Gattung:Potamogale
Spezies:Potamogale velox

Kein Tenrek

Obwohl sie eng mit Tenreks verwandt sind, gehören Otterspitzmäuse nicht zur Familie der Tenreks (Tenrecidae). Lange Zeit wurden sie aufgrund ihrer gemeinsamen afrikanischen Herkunft und ähnlichen Morphologie dieser Familie zugeordnet. Molekularbiologische und anatomische Studien führten jedoch schließlich zur Anerkennung ihrer eigenen Familie, der Potamogalidae. Da Otterspitzmäuse und Tenreks beide zur Unterordnung Tenrecomorpha gehören, sind sie in diesem Wissensportal enthalten, um ein umfassendes Bild dieser bemerkenswerten Säugetiergruppe und ihrer evolutionären Vielfalt zu vermitteln.

Natürliches Verbreitungsgebiet und Lebensraum

Die Riesenotterspitzmaus lebt im tropischen Zentral- und Westafrika, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Liberia und Sierra Leone bis Uganda und Angola. Sie bewohnt langsam fließende Flüsse, Bäche, Sümpfe und dicht bewachsene Süßwasserlebensräume sowohl im Tieflandregenwald als auch in Bergregionen. Diese scheue Art bevorzugt schattige Wasserläufe mit überhängender Vegetation, Unterwasserwurzeln und vielen Versteckmöglichkeiten. Sie ist ein Einzelgänger und gräbt sich Höhlen oder Baue in Flussufer, oft mit mehreren Ausgängen zum Wasser.

Körperliche Merkmale

Diese Art ist robust und stromlinienförmig und erreicht eine Körperlänge von 33–35 cm, hinzu kommen 35–40 cm Schwanzlänge. Sie kann bis zu 1,2 kg wiegen und ist damit größer als jeder Tenrek. Ihr dichtes, samtiges Fell ist wasserabweisend, ähnlich dem Fell eines Otters. Der lange, muskulöse Schwanz ist seitlich abgeflacht und dient als kraftvolles Ruder, das schnelles und lautloses Schwimmen ermöglicht. Im Gegensatz zu vielen Säugetieren besitzt die Riesenotterspitzmaus keine äußeren Ohren und ihre Nasenlöcher schließen sich unter Wasser. Ihre langen, empfindlichen Schnurrhaare und die nach vorn gerichteten Augen unterstützen die Jagd bei trüben, schwachen Lichtverhältnissen.

Verhalten und Lebensstil

Die Riesenotterspitzmaus ist überwiegend nachtaktiv und extrem scheu. Sie verbringt die Nächte damit, entlang von Flussufern nach Beute zu suchen, wobei sie sich eng an die Küste hält und mit ihren Tasthaaren Bewegungen wahrnimmt. Tagsüber zieht sie sich in ihren Bau zurück, der trockene Kammern oberhalb der Wasseroberfläche zum Schlafen enthalten kann. Sie ist territorial und lebt in der Regel einzelgängerisch. Obwohl sie eine geschickte Schwimmerin ist, taucht sie nicht tief, sondern gleitet knapp unter der Wasseroberfläche, unterstützt durch schnelle Schwanzbewegungen. An Land bewegt sie sich eher unbeholfen fort, mit hüpfenden Bewegungen, die an eine Robbe oder einen Otter erinnern.

Kommunikation

Über die Lautkommunikation dieser Art ist nur wenig bekannt, man geht jedoch davon aus, dass sie hauptsächlich auf taktilen und chemischen Reizen beruht. Duftmarkierungen spielen wahrscheinlich eine Rolle bei der Revierabgrenzung. Die auffälligen Tasthaare sind für die Orientierung in der Dunkelheit unerlässlich und reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen des Wasserdrucks, wodurch das Tier Bewegungen auch ohne Sicht verfolgen kann. Aufgrund seiner einzelgängerischen Lebensweise und seines Lebensraums im Wasser sind akustische Signale möglicherweise nur begrenzt verfügbar.

Ernährung in freier Wildbahn

Die Riesenotterspitzmaus ist ein Fleischfresser und ein aktiver Jäger. Sie ernährt sich von wirbellosen Wassertieren, Krebsen, Fröschen, Insektenlarven und kleinen Fischen. Ihre Beute erbeutet sie oft durch Anschleichen oder blitzschnelle seitliche Angriffe, wobei sie mit ihren empfindlichen Tasthaaren Vibrationen wahrnimmt. Manchmal trägt sie ihre Beute an Land, bevor sie sie verspeist. Ihr Kiefer ist kräftig genug, um Krebstiere und Insektenpanzer zu zermalmen. Die Jagd findet hauptsächlich in Küstennähe oder in flachen, dicht bewachsenen Gewässern statt.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Die Fortpflanzung in freier Wildbahn ist noch wenig erforscht, man geht jedoch davon aus, dass Weibchen ein bis zwei Junge pro Wurf zur Welt bringen. Die Paarung findet wahrscheinlich während der Regenzeit statt, wenn das Nahrungsangebot am größten ist. Die Jungen werden in einer mit Blättern ausgekleideten Nestkammer geboren und bleiben dort mitunter mehrere Wochen versteckt. Sie kommen mit Fell und geschlossenen Augen zur Welt und sind so lange von der Mutter abhängig, bis sie selbstständig Nahrung suchen können. Die Art erreicht die Geschlechtsreife vermutlich nach etwa einem Jahr.

Bedrohungen und Erhaltungsstatus

Die Riesenotterspitzmaus wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ eingestuft, ist aber zunehmend durch Lebensraumzerstörung, Wasserverschmutzung und Staudammbau bedroht. Da sie auf saubere, schattige Gewässer angewiesen ist, wirken sich Abholzung und Sedimentablagerungen in Flüssen besonders schädlich aus. In einigen Gebieten wird sie zudem wegen ihres Fleisches gejagt. Trotz dieser Belastungen ist die Art weiterhin weit verbreitet und wurde in mehreren Schutzgebieten nachgewiesen.

Diese Art in Gefangenschaft

Die Riesenotterspitzmaus wurde selten in Gefangenschaft gehalten und ist bekanntermaßen sehr schwierig zu pflegen. Ihre stark spezialisierte aquatische Lebensweise und ihre fleischfressende Ernährung machen sie für die meisten Zoos ungeeignet. Versuche, sie in der Vergangenheit zu halten, scheiterten meist an Stress, Mangelernährung und fehlenden geeigneten Gehegen. Daher gibt es kaum Informationen zur Haltung in Gefangenschaft, und sie gilt weder für den Handel mit exotischen Haustieren noch für Zuchtprogramme zum Artenschutz als geeignet.

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